Opus - Ein Modellversuch

Opus ist ein Modellversuch von angeschlossenen Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten mit dem konkreten Ziel "Schule besser und gesünder anzubieten". (Laufzeit 1997-2000). Opus NRW trat die Nachfolge des beendeten BLK-Modellversuches "Netzwerk gesundheitsfördernde Schulen" an. (Laufzeit 1993-1997). Beide Projekte gehen auf eine Initiative der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und der EU zurück.

Gesundheit definieren die Projektteilnehmer auf der Grundlage der Ottawa-Charta der WHO. Gesundheit geht bei diesem Ansatz weit über körperliche Unversehrtheit hinaus. Erfasst werden ebenso psychisches und soziales Wohlbefinden. Angeschlossen hatten sich bundesweit etwa 500 Schulen. Über das Programm wurden den teilnehmenden Bildungseinrichtungen verschiedene Dienstleistungen und Hilfsangebote gemacht.

Ausführliche Ergebnisse des Projektes wurden später vom Netzwerk für Bildung und Gesundheit in NRW als Bestandsaufnahme veröffentlicht. Die einfache Erkenntnis: Wer sich in der Schule wohlfühlt, vom Stuhl, über Lerninhalte bis zur sozialen Betreuung, erzielt bessere Leistungen. - Erfährt selbst mehr Lebensfreude und erhält letztlich bessere Chancen. Das gilt für Schüler ebenso, wie für Lehrer.

Welchen Stellenwert hatte das Projekt Opus?

Der Stellenwert des Modellversuchs kann kaum höher sein. Konsens ist, in der öffentlichen Diskussion sowie auf Experten- und politischer Ebene, schulischer Gesundheitsförderung mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Beeinträchtigungen der Gesundheit in jungen Jahren haben gravierende Auswirkungen auf das Erwachsenenalter.

In frühen Phasen der Jugend werden zahlreiche relevante Anlagen gelegt. Neben der rein körperlichen Gesundheit sind es vor allem gesundheitsrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen, die in der Kindheit und Jugendzeit geprägt werden. Konsens herrscht bei der Feststellung, dass geeignete Rahmenbedingungen die individuelle Entwicklung nachhaltig begünstigen.

Über Projekte, wie Opus NRW werden Erfahrungswerte gewonnen, die nachhaltig zukünftige Generationen zu einer besseren gesünderen Lebensweise verhelfen. Ganz nebenbei, wie der Modellversuch zeigte, verbessert sich mit dem Bewusstsein gesünderer Lebensweise auch die messbare Leistung der Schüler.

Gesunde starke Kinder - Konfliktbewältigung

Das Leben eines jeden Erwachsenen ist voller Konflikte. Der Chef hat schlechte Laune und lässt es an den Angestellten aus. Die Verkaufzahlen waren nicht erreichbar, ein "Schuldiger" wird gesucht. Im Straßenverkehr kennt jeder mehrere Situationen, in denen er selbst, auf den "Trottel" vor sich voller Inbrunst geschimpft hat.

Konflikte sind in der Gemeinschaft nicht vermeidbar. Beeinflussbar ist nur die Art, wie wir als Menschen unsere Konflikte austragen. Die Zivilisation legt durch Wege zur verbalen Konfliktbewältigung den Grundstein dafür, dass wir uns nicht gegenseitig umbringen. Erlernt wird die Technik zivilisierter Konfliktbewältigung von Kindesbeinen an.

In diesem Zeitfenster, indem wirklich etwas bewirkt werden kann, stehen Kindertagesstätte und Schule, neben den Eltern, in einer besonderen Verantwortung. Über die Definition von schulischer Gesundheit, unter Einbeziehung sozialer und psychologischer Aspekte, trug Opus zur Stärkung der jungen Menschen bei. Gezielt setzt das Konzept in allen relevanten Bereichen sozialer Kompetenzen an.

Starke, gesunde Kinder widerstehen leichter den Verlockungen, wie Drogen oder Alkohol. Zeitgleich bewältigen sie ihre Konflikte, ohne die Rahmenbedingungen zu verletzen oder selbst psychischen Schaden zu nehmen.

Modellprojekt mit Zukunftscharakter - handeln statt resignieren

Das Modellprojekt selbst mag heute längst ausgelaufen sein. Aber, die Herausforderungen an Bildungsanstalten, von frühkindlicher Betreuung bis zur Hochschulreife sind eher noch gestiegen. Auf vielen Ebenen zeigt sich damals, wie heute dringender Handlungsbedarf. Von einander zu lernen, das wird jede Lehrkraft bestätigen, hat noch nie geschadet.

Veränderungen, gegen alle Widerstände des Systems sind immer möglich, wenn sich Gleichgesinnte zusammenschließen und mit Kraft ein gemeinsames Ziel verfolgen. Den "kleinen" äußeren Anstoß dazu möchten wir geben, damit auch nach Projektende Schule gesünder und das Miteinander harmonischer wird.

Ausgangspunkt - Spielraum für Verbesserungen

Nicht erst seit der Pisa-Studie aus dem Jahr 2000 war Handlungsbedarf an deutschen Schulen erkennbar. Von der Kindertagesstätte angefangen müssen die nachfolgenden Generationen besser auf ihr Leben vorbereitet werden. Mit klassischen Antworten kann das Bildungssystem der veränderten Bedarfslage kein Erfolgskonzept gegenüberstellen.

Seit der "Feuerzangenbowle" hat sich selbstverständlich einiges getan. Nicht auszublenden bleiben trotzdem Folgen durch ständige Etatkürzungen, Aufgabenverdichtung bis zur Veränderung der Vorbedingungen, die Schüler von zu Hause mitbringen. Lehrer und Schüler müssen den täglichen Spagat zwischen Lehrplan und tatsächlich erreichbarem Lernerfolg meistern. Schule ist häufig zum sozialen Schlachtfeld motiert.

Erfolg versprechende Lösungen scheitern am Geld. Stichwort Ausstattung der Bildungsstätte sowie an der reinen Anzahl des gut ausgebildeten Fachpersonals. Im Bezug auf die Räumlichkeiten salopp formuliert: In viele Schulen regnet es rein, Bestuhlung und Tische sind veraltet, zum Teil unbrauchbar. Zum "Ausgleich" wurde eine halbe Hausmeisterstelle gestrichen, ausscheidendes Lehrpersonal wird nicht zeitnah ersetzt.

Projekt, wie Opus NRW auf die Beine stellen

Interesse daran, Bildungseinrichtungen nachhaltig zu verbessern, darf Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern unterstellt werden. Das gemeinsame Ziel, Kindern und Heranwachsenden einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, schafft Berührungspunkte. Damit ist die grundsätzliche Voraussetzung erfüllt, selbst ein ähnliches Projekt, wie Opus zu verwirklichen.

Opus NRW selbst verwirklichen - so geht's

Eine ganz einfache Checkliste erlaubt es, den Stein ins Rollen zu bringen. Interessierte verbünden sich und schaffen ein Team. Innerhalb des Teams sind alle Interessengruppen repräsentiert. Natürlich können "wenige Mann allein" die Herkulesaufgabe, Schule besser und gesünder zu machen, nicht Schultern. Werbung für den Masterplan wird für die Idee gesunder Schule Unterstützer bringen.

Sponsoren für das Projekt lassen sich im lokalen Umfeld rekrutieren. Je bekannter das Projekt wird, umso mehr Geld wird die Projektkasse füllen. Organisatorisch geht es mit der Bestandsaufnahme weiter. Wo drückt der Schuh an der eigenen Schule oder dem Kindergarten? Laufen bereits Maßnahmen auf anderen Ebenen zur Problembeseitigung? Wie kann wer das Problem lösen. Je genauer die Analyse ist, umso klarer lassen sich Nah- und Fernziele fassen.

Prioritäten setzen, Rom ist nicht in einem Tag erbaut worden. Für Projekte, die faktisch Geld kosten, müssen immer dicke Bretter gebohrt werden. Auf eine Sache konzentrieren, umsetzen und dann den nächsten Teilschritt. Schon in der Planungsphase Teams bilden. Aufgaben verteilen und einen Zeitstrahl erstellen. Darauf folgt die Phase der Umsetzung erster Schritte. Im zeitlich angemessenen Abstand die Erfolgsüberprüfung.

Wie bleibt die Gruppe am Ball?

Ein Team zu leiten, ist nicht ganz einfach. Teams laufen nur zu Höchstleistungen auf, wenn sie Erfolge sehen. Definierte Teilziele, die in angemessenem Zeitrahmen erreichbar sind, erleichtern die Gruppenführung. - Aber auch nicht unterfordern. Anschließend Rückschau halten, den Erfolg herausstellen, dokumentieren und gern ein wenig feiern.

Erfahrungen aus der ersten Teamarbeit führen zu besserer Koordination bei der Realisierung neuer Teilziele. Stück für Stück kann die Schule umgebaut werden. Rückschläge sollten niemanden entmutigen. Beim nächsten Anlauf läuft es wahrscheinlich schon besser. Wichtig ist, Erreichtes zu bewahren. Bereits laufende Prozesse dürfen nicht zugunsten neuer Projektideen wieder einschlafen.

Tipp: Gern, bei anderen abgucken. Abschreiben ist nur Schülern nicht gestattet, erfolgreiche Umsetzungen aus anderen, gleich gesinnten Bildungseinrichtungen zu übernehmen, steigert die eigenen Projektchancen. - Teambildung und Informationsaustausch sollten sich nicht grundlos auf eine Einrichtung eingrenzen.

Von Opus NRW lernen - finanzieller Ansatz

Damit die vorschulische und schulische Ausbildung besser und gesünder werden kann, ist gezieltes Vorgehen an den jeweiligen Brennpunkten gefragt. Finanzielle Mittel werden zunächst gebündelt, um gesunden Unterricht zu ermöglichen. Viele am Originalprojekt teilnehmende Einrichtungen tauschten seit Projektbeginn die Bestuhlung der Unterrichtsräume vollständig aus.

Geboten werden den Kindern altersgerechte, ergonomisch geformte Sitzgelegenheiten. Ein Austausch erfolgte ebenfalls beim Mobiliar des Lehrers. Zusätzlich eingestellt wurde fehlendes Personal. Freie Lehrerstellen wurden neu besetzt. Personal zur pädagogischen Betreuung, über den Unterrichtsrahmen hinaus, wurde aufgestockt.

Hauptamtliche Schulpsychologen unterstützen sowohl Schüler als auch Lehrer bei Problemen. Vermehrt in den Lehrplan integriert wurden Projekte, die Lebensfreude schaffen. Das Angebot geht über sportliche Veranstaltungen weit hinaus. In den Lehrplan für den Sportunterricht, um beim Beispiel zu bleiben, wurden Lehrinhalte eingefügt, die bei der individuellen Entspannung helfen.

Gesundheit als ganzheitlicher Ansatz - Weiterbildung

Den ganzheitlichen Ansatz umzusetzen ist einer der Schwerpunkte von Opus NRW. Die notwendige Weiterbildung des Personals lieferte die Basis zum Projekterfolg. Inhaltlich lesen sich die Weiterbildungsangebote wie ein "Who is Who" der pädagogischen Probleme vieler Bildungseinrichtungen.

Gezielte Weiterbildungen umfassten:

Ergänzend dazu organisatorische Veränderungen:

In den Prozess der Schaffung eines zuträglichen Schulklimas des zufriedenen Miteinanders eingebunden sind ebenso Nichtpädagogen. Hausmeistern, dem Sekretariat und den vielen anderen hinter den Kulissen tätigen Mitarbeitern wird wieder Wertschätzung zu Teil.

Ziel ist es, ein vertrauensvolles Arbeitsklima zu ermöglichen. Dazu sollten Freiräume bei der Arbeitsplatzgestaltung genutzt werden. Außerdem dürfen nicht pädagogisch tätige Mitarbeiter an schulischen Veranstaltungen zur Gesundheitsförderung teilnehmen.

Kleine Dinge verändern - praxisorientiert Denken

Unter der Agenda von Opus NRW denken Kollegen oft nur an die großen und kostspieligen Handlungsansätze. Nicht nur die neue Bestuhlung und Schallreduzierung des Klassenraumes bietet Entfaltungsmöglichkeiten. Oft sind es die "kleinen Dinge des Lebens", die das Miteinander und die Lernfähigkeit fördern. Ein sehr gutes Beispiel dafür liefert die Lindenschule.

Die Schule stellt in allen Klassenräumen kostenlose Wasserspender bereit. Mineralwasser anzubieten kostet nicht viel Geld, hat aber einen großen Effekt. Wie oft vergessen Kinder, rechtzeitig zu trinken. Jedem mit wachem Auge wird als Anfangsstadium einer beginnenden Dehydrierung, mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Betroffenen auffallen.

Angenommen wurden die Trinkstationen von den Schülerinnen und Schülern gut. Das Beispiel beweist, gesundheitsfördernde Maßnahmen können effektiv und kostengünstig sein. Lücken zunächst vor Ort zu erkennen und anschließend praxisorientiert zu schließen, motiviert Schüler und Personal. Positives Sozialklima zu schaffen, zeigt sich in der Praxis als Puzzel mit unendlich vielen Teilen.

Mitwirken können alle - Thema Übergewicht

Nicht nur der Gang ins sommerliche Freibad offenbart, viele Kinder und Jugendliche sind übergewichtig. Spätere Gelenkserkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes wären damit leider vorprogrammiert. Wer einmal übergewichtig ist, wird als Erwachsener die unnötigen Pfunde nur schwer wieder los. Der "Schuldige" kann in jeder modernen Schule schnell gefunden werden. An Automaten, in der Kantine oder im Schulkiosk lauern die Dickmacher.

Nachweislich gesundheitsschädliche Produkte aus dem Angebot zu verbannen, durch geschmackvolle Alternativen zu ersetzen, ist keine bürokratische Höchstleistung. Die Initiative dazu kann sowohl von der Schulleitung, aber ebenso von den Eltern kommen. Fehlt das gewohnte Angebot vor Ort, werden Alternativen von den Schülern wenigstens probiert. Bei ausreichendem Auswahlsortiment findet garantiert jeder einen schmackhaften Ersatz für ungesundes Fastfood.

Opus NRW - Ergebnisse selbst nachlesen

Unter dem Titel Evaluationsprojekte und Evaluationsergebnisse erstellte das Netzwerk für Bildung und Gesundheit - Opus NRW eine viel beachtete Bestandsaufnahme. Betrachtet wurde rückwirkend der Zeitraum 2003 - 2007. Teilnehmer an Opus wurden auf verschiedenen Ebenen nach ihren Erfahrungen mit dem Modellversuch einer gesünderen Schule befragt.

Gegenübergestellt wurden den Erhebungen außerdem Zahlen nicht teilnehmender Bildungseinrichtungen. Insgesamt stimmen die Ergebnisse hoffnungsfroh. Besonders im Bereich frühkindlicher Betreuung und der Grundschule hat Opus - Zitat - "gut bis sehr gut funktioniert". Zu werten ist das als voller Erfolg.

Erkennbar wurde außerdem, dass der Ansatz Defizite durch die Lebenssituation in "problematischen" Wohngegenden ausgleicht. Erreicht ist aber maximal ein "Etappensieg". Auch nach Ende des Modellprojektes blieben viele Fragen ungeklärt. Jede vierte Schule würde sich zusätzliche Beratung und Unterstützung weiterhin wünschen.

Modellversuch Opus - Zusammenfassung

Von der KiTa bis zur Schule besteht großes Potenzial, um Kindern und Jugendlichen einen besseren gesundheitlichen Start zu geben. Am Modellprojekt Opus, Schule besser und gesünder zu machen, nahmen bundesweit etwa 500 Einrichtungen teil. Opus NRW als Modellversuch lief, von 1997 bis zu Jahr 2000, auf gemeinsame Initiative der WHO und der EU.

Verfolgt wurde ein ganzheitlicher Ansatz der Definition von Gesundheit. Er umfasste nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern ebenso psychisches und soziales Wohlbefinden. Partizipieren sollten in erster Linie natürlich die Kinder, aber ebenso das schulische Personal. Klare Trennlinien zwischen Verwaltung, Hausmeistern und Pädagogen wurden bewusst aufgehoben.

Teilnehmen, beispielsweise an Weiterbildungen und partizipieren sollten möglichst alle. Unterstützt wurden die teilnehmenden Einrichtungen durch Dienstleistungen und Hilfsangebote. Der Erfolg des Gedankenansatzes hinter dem Projektnamen Opus, war deutlich messbar. Eine Erfolgskontrolle erstellte das Netzwerk NRW in Form einer Bestandsaufnahme. Berücksichtigt wurden Ergebnisse und Eindrücke, die bis 2007 auf allen Ebenen gesammelt wurden.

Opus NRW - Gegenwart

Gedanken- und Lösungsansätze sowie praktische Erfahrungen im Modellversuch zeigen, dass Antworten auf die Schule der Gegenwart gegeben werden können. Interessengruppen, die Opus NRW für die eigene Einrichtung "nachbauen" möchten, stehen nicht am Anfang. Sie können aus vielen gewonnen Erfahrungswerten lernen.

Natürlich wird sehr frühzeitig das Kostenargument auf dem Tisch liegen. Kinder besser auf das Leben vorzubereiten, ihnen ein gesünderes Leben zu ermöglichen, kostet nicht immer großes Geld. Viel erreicht werden kann auf dem Weg der kleinen Schritte. Nichts kostet es beispielsweise für die Schulleitung, ungesunde Nahrungsmittel aus dem Verkauf auf dem Schulgelände zu verbannen.

Für kleines Geld, beispielsweise durch die Aufstellung und den Betrieb kostenloser Wasserspender in jedem Klassenzimmer, kann die Konzentrationsfähigkeit wachsen. Schallemissionen im Klassenzimmer zu dämpfen, das funktioniert über eine teure Spezialdecke. In Eigenregie organisiert, aber ebenso über ein paar preiswerte Vogelnetze, die mit Bällen gefüllt unter der Decke hängen.